10 Gewohnheiten
1. Nägelkauen (Onychophagie).
Was harmlos beginnt, kann ernsthafte Folgen haben.
Nägelkauen ist weit verbreitet – besonders in Stresssituationen oder aus Langeweile. Was viele nicht wissen: Diese Angewohnheit kann die Zähne, das Zahnfleisch und das Kiefergelenk nachhaltig schädigen
Mögliche Folgen:
- Abnutzung der Frontzähne → Schmelzverlust, Risse, Frakturen
- Fehlstellungen der Zähne → durch ständigen Druck und Zug
- Zahnfleischverletzungen → durch mechanische Reizung & Bakterien
- Infektionsrisiko → Keime unter den Nägeln gelangen in die Mundhöhle
- Kiefergelenksprobleme (CMD) → durch unnatürliche Belastung
Was tun?
- Ursachen erkennen (Stress, Nervosität)
- Ersatzgewohnheiten (z.B. Stressball)
- ggf. psychologische oder zahnärztliche Begleitung
Nägelkauen ist ein häufig unbewusster Weg, Stress abzubauen – aber Ihre Zähne zahlen den Preis
Finden Sie gesündere Strategien, um mit Anspannung umzugehen – Ihr Kausystem wird es Ihnen danken.
2. Lippenbeißen / Lippenkauen – eine unterschätzte Gewohnheit
Viele Menschen beißen in stressigen Momenten oder gedankenverloren auf ihre Lippen – oft ohne es selbst zu bemerken. Was harmlos erscheint, kann für Zähne und Mundschleimhaut auf Dauer problematisch sein.
Mögliche Folgen:
- Reizungen und chronische Verletzungen der LippenInnenseite
- Dauerhafte Schleimhautveränderungen (z.B. Fibrome, Keratosen)
- Entzündungen oder Infektionen durch bakterielle Besiedelung kleiner Wunden
- Beeinträchtigte Wundheilung durch wiederholtes Trauma
- Verstärkte Belastung der Frontzähne (bei starkem Kauverhalten)
Hintergrund:
Lippenkauen ist oft eine Stressbewältigungsstrategie oder ein nervöser Tick – ähnlich wie Nägelkauen oder Zähnepressen. In manchen Fällen entwickelt sich daraus eine orale Parafunktion, die zahnärztlich und psychologisch Aufmerksamkeit verdient.
Was kann helfen?
- Bewusstsein schaffen: Wann passiert es?
- Mechanische Barrieren (z.B. Lippenpflege, Kaugummi)
- Entspannungstechniken, Verhaltenstraining
- Bei auffälligen Veränderungen: zahnärztliche Abklärung!
Regelmäßige kleine Verletzungen sollten nicht unterschätzt werden – die Mundschleimhaut ist empfindlich und braucht Schutz.
3. Ständiges Kaugummikauen – mehr Schaden als gedacht?
Kaugummi gilt oft als harmlos oder sogar zahnpflegend – aber wenn das Kauen ständig oder übermäßig erfolgt, kann es für das Kausystem zur Belastung werden.
Mögliche Folgen:
Dauerhafte Kaubewegungen können das Kiefergelenk (TMG) reizen → Schmerzen, Knacken, eingeschränkte Beweglichkeit
Besonders im Masseter und Temporalis → kann Kopfschmerzen und Spannung im Gesicht, Nacken oder Rücken auslösen
Durch mechanische Dauerbelastung – besonders bei zuckerhaltigen oder abrasiven Sorten
Dauerhaft aktives Kausystem kann Zähneknirschen begünstigen
Durch ständiges Schlucken von Luft beim Kauen
Empfehlung:
- Zuckerfreien Kaugummi gezielt und begrenzt einsetzen (z.B. nach Mahlzeiten)
- Nicht länger als 10–20 Minuten kauen
- Bei Beschwerden im Kieferbereich → zahnärztliche Abklärung
Auch Kauen will gelernt sein – geben Sie Ihrem Kiefer Zeit zur Erholung.
4. Stifte, Kugelschreiber & Co – keine Kaubeißer!
Viele Menschen kauen unbewusst auf Stiften, Kappen oder anderen Alltagsgegenständen – sei es aus Konzentration, Langeweile oder Stress. Doch diese Gewohnheit kann ernste Schäden an Zähnen und Kiefer verursachen.
Mögliche Folgen:
Harte Materialien können Ecken und Kanten der Schneide- und Eckzähne beschädigen.
Besonders bei wiederholtem, kräftigem Kauen → Schutzschicht wird abgetragen.
Kronen, Veneers oder Füllungen können brechen oder sich lösen.
Wangen, Lippen und Zahnfleisch können durch abrutschende oder scharfkantige Gegenstände verletzt werden.
Dauerhafte Fehlbelastung kann zu Schmerzen, Knacken oder Bewegungseinschränkungen führen
Tipps:
- Ersetze das Kauen durch gesündere Alternativen (z.B. Stressball, sensorisches Hilfsmittel).
- Werde dir deiner Gewohnheiten bewusst – z.B. in Lern- oder Arbeitssituationen.
- Bei bereits geschädigten Zähnen → zahnärztliche Abklärung!
Was im Mund landet, sollte zum Kauen geeignet sein – Stifte sind es nicht.
5. Daumenlutschen / Fingerlutschen – harmlos oder schädlich?
Was in den ersten Lebensmonaten ganz normal ist, kann bei längerem Fortbestehen negativen Einfluss auf die Zahn- und Kieferentwicklung haben – besonders ab dem dritten Lebensjahr.
Mögliche Folgen bei dauerhaftem Daumenlutschen:
Die Zähne schließen beim Zubeißen nicht mehr vollständig – meist in der Front
Die Frontzähne im Oberkiefer kippen nach vorne
Durch den ständigen Druck des Daumens kann sich der Unterkiefer falsch entwickeln
Besonders im Seitenzahnbereich bei einseitigem Saugen oder Lutschen
Besonders im Seitenzahnbereich bei einseitigem Saugen oder Lutschen
Durch Zungenfehlfunktionen infolge der Bisslage
Wichtig:
- In den ersten Lebensjahren ist Daumenlutschen normal
- Ab dem 3.–4. Lebensjahr sollte das Verhalten langsam reduziert werden
- Spätestens bei Beginn des Wechselgebisses (ca. 5– 6 Jahre) sollte es abgestellt sein
Unterstützungsmöglichkeiten:
- Spielerische Entwöhnung (z.B. Daumenpflaster, Belohnungssysteme)
- Aufklärung mit kindgerechter Sprache
- Zusammenarbeit mit Kieferorthopädie bei bereits erkennbaren Fehlstellungen
Früh erkannt – viel verhindert! Daumenlutschen sollte liebevoll, aber konsequent begleitet werden.
7. Unbewusstes Aufstützen des Kinns – unterschätzte Belastung für Kiefer & Biss
Viele Menschen stützen im Sitzen – z.B. beim Lernen, Arbeiten oder Fernsehen – unbewusst ihr Kinn oder ihre Wange auf die Hand. Was bequem wirkt, kann langfristig Asymmetrien im Gesicht und Fehlbelastungen im Kiefergelenk verursachen.
Mögliche Folgen:
Dauerhafter Druck kann das Wachstum des Unterkiefers hemmen oder verlagern
Ungleichmäßige Belastung → Verspannungen, Knacken, Schmerzen
Besonders bei gleichzeitigem Zähnepressen
Durch ständige asymmetrische Kopfhaltung
Warum ist das problematisch?
Dieses Verhalten geschieht meist unbewusst – über viele Stunden täglich – und wirkt sich dadurch dauerhaft auf das muskuläre und skelettale Gleichgewicht im Gesichts- und Kopfbereich aus.
Was tun?
- Haltung regelmäßig bewusst kontrollieren (z.B. im Büro, beim Lesen)
- Ergonomischer Arbeitsplatz
- Kinder gezielt beobachten & korrigieren
- Bei Beschwerden → zahnärztliche oder funktionstherapeutische Abklärung
Gleichmäßige Belastung ist entscheidend – Kiefer & Haltung brauchen Balance.
8. Wangenbeißen – mehr als nur eine schlechte Angewohnheit
Gelegentliches Wangenbeißen passiert vielen Menschen – z.B. beim Kauen oder in Stresssituationen. Wenn es jedoch regelmäßig oder unbewusst geschieht, spricht man von Morsicatio buccarum, einer chronischen Schleimhautreizung im Bereich der Wangeninnenseite.
Mögliche Folgen:
Weißliche, schwammige Veränderungen an der Wangeninnenseite durch ständiges Trauma
Knotenartige Schleimhautverdickungen durch wiederholte mechanische Belastung
Kleine Wunden können sich entzünden oder brennen
Muss ggf. zahnärztlich oder histologisch abgeklärt werden
Oft verbunden mit Stress, Anspannung oder anderen oralen Habits (z.B. Zähnepressen)
Häufig unbewusst:
Viele Patient:innen merken das Wangenbeißen selbst nicht – erst bei Schleimhautveränderungen oder Beschwerden wird es auffällig.
Was hilft?
- Bewusstsein schaffen (Spiegel, Feedback, Kieferentspannung)
- Stressbewältigungstechniken
- In schweren Fällen: Bisshebung, Aufbissschiene oder Korrektur scharfer Zahnkanten
- Bei unklaren Läsionen: zahnärztliche Kontrolle
Die Mundschleimhaut ist empfindlich – schützen wir sie vor chronischen Verletzungen.
9. Zungepressen / Zungenstoßen (Tongue Thrusting)
Wenn die Zunge zur Kraft wird – und zum Problem
Zungenstoßen ist eine orofaziale Funktionsstörung, bei der die Zunge beim Schlucken, Sprechen oder in Ruhe gegen oder zwischen die Zähne drückt – statt an den Gaumen. Diese scheinbar kleine Fehlfunktion kann zu schweren Zahn- und Kieferfehlstellungen führen.
Typische Folgen:
Die Frontzähne treffen beim Zubeißen nicht aufeinander
Vorverlagerung und Kippung nach vorne
Besonders bei den Lauten „s“, „z“, „sch“
Wenn das Zungenmuster nicht therapiert wird, wandern die Zähne wieder zurück
Mit möglichen Folgen für Schädelwachstum und Gesichtssymmetrie
Ursachen:
- Angewohnheiten (z.B. durch langes Nuckeln, Daumenlutschen)
- Vergrößerte Mandeln, chronisch verstopfte Nase
- Schluckfehlfunktionen
- Muskuläre Dysbalancen im Mund- und Gesichtsbereich
Behandlung:
- Myofunktionelle Therapie (durch Logopäd:in oder spezialisierte KFO)
- Bewusstsein & gezieltes Training der Zungenlage
- Bei Kindern: ggf. Kombination mit kieferorthopädischer Frühbehandlung
- Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt, Logopädie und HNO empfehlenswert
Die Zunge ist ein starker Muskel – bei falschem Einsatz kann sie den ganzen Biss verändern.
10. Fissurenversiegelung – Schutzschild für kariesanfällige Zähne
Die Fissurenversiegelung ist eine bewährte, schmerzfreie Maßnahme zur Vorbeugung von Karies, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – aber auch bei Erwachsenen mit kariesgefährdeten Backenzähnen.
Was sind Fissuren?
Fissuren sind die feinen Rillen und Grübchen auf der Kaufläche der Backenzähne. Sie sind oft so tief und schmal, dass sie mit der Zahnbürste kaum gereinigt werden können. Speisereste und Bakterien sammeln sich darin – idealer Nährboden für Karies.
Was bewirkt eine Versiegelung?
Bei der Fissurenversiegelung wird ein dünnflüssiger Kunststofflack auf die gereinigten Fissuren aufgetragen und mit Licht ausgehärtet. Dadurch entsteht eine glatte, schützende Oberfläche, die Kariesbildung deutlich erschwert.
Wann ist eine Versiegelung sinnvoll?
- Kurz nach Durchbruch der bleibenden Backenzähne (meist im Alter von 6–9 Jahren)
- Bei Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko
- In Einzelfällen auch bei Milchzähnen oder Erwachsenen
Ablauf (schmerzfrei und schnell):
- 1. Bewusstsein schaffen (Spiegel, Feedback, Kieferentspannung)
- 2. Auftragen eines Ätzgels (für besseren Halt)
- 3. Spülen und Trocknen
- 4. Auftragen und Aushärten des Versiegelungsmaterials
- 5. Kontrolle und Politur
Vorteile:
- Effektiver Schutz vor Karies
- Kein Bohren notwendig
- Schmerzfrei
- Langanhaltend (regelmäßige Kontrolle empfohlen)
Früh schützen statt später reparieren – Fissurenversiegelung ist ein einfacher, wirksamer Beitrag zur Zahngesundheit.